Chinesische Lehrer an der BS I Kempten (CLiB)

Bereits zum 3. Mal konnte die Berufsschule I in Kempten Lehrer aus Shenzhen (China) zu einem 5-wöchigen Lehrerfortbildungsprogramm begrüßen.

Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung über die Fortbildung von Berufsschullehrern zwischen dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus und dem Referat für Bildung der Stadt Shenzhen in China, startete im März 2017 das Projekt „Chinesische Lehrer in Bayern“, kurz CLiB. Organisatorisch wird dieses Lehrerfortbildungsprogramm für chinesische Lehrkräfte von der Hanns-Seidel-Stiftung in München unterstützt und begleitet. Die Staatliche Berufsschule I in Kempten sowie die Johann-Bierwirth-Schule in Memmingen sind nun zum 3. Mal mit der Durchführung des Projektes betraut.

Das Projekt CLiB hat einerseits zum Ziel, chinesische Lehrer mit der Struktur des deutschen beruflichen Bildungswesens, insbesondere dem dualen System der Berufsausbildung, mit den Gesetzen und Vorschriften des Schulverwaltungssystems und mit der Schulfinanzierung vertraut zu machen. Andererseits steht das deutsche Verständnis von Bildung im Mittelpunkt, welches zum Ziel hat, die berufliche Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Grundlage dafür ist ein problemlösender, kompetenz- und handlungsorientierter Unterricht, der professionell vorbereitet und durchgeführt werden muss. Hier sollen die Fähigkeiten und Fertigkeiten der chinesischen Lehrkräfte ausgebaut werden.

Das Fortbildungskonzept ist modular aufgebaut und gliedert sich in 3 Abschnitte, die abwechselnd in China und Deutschland durchgeführt werden:
In der Vorbereitungsphase wurden die 15 teilnehmenden chinesischen Lehrkräfte, die aus verschiedenen beruflichen Schulen ausgewählt wurden, in Shenzhen in das duale System der deutschen Berufsausbildung und in das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts eingeführt. Bereits hier hatten die Kursteilnehmer die Möglichkeit, handlungsorientierte Unterrichtssequenzen unter professioneller Anleitung, selbständig zu erarbeiten.
In der Hauptphase, November und Dezember 2019, waren die chinesischen Kolleginnen und Kollegen für 8 Wochen in Deutschland. Hier konnten sie in einem dreiwöchigen Lehrgangsprogramm im thüringischen Berufsbildungs- und Technologiezentrum Rohr-Kloster handlungsorientierten Unterricht in der Praxis erleben. Drei Wochen war die gesamte Gruppe dann in Kempten. Neben Besuchen von Betrieben und Bildungsinstitutionen wurden auf der Grundlage des modular aufgebauten Schulungskonzepts die verschiedenen Aspekte der beruflichen Bildung wie zum Beispiel problemlösender Unterricht, Handlungsorientierung, Teamfähigkeit und Schülerselbsttätigkeit vorgestellt und die dazugehörigen Unterrichtsmethoden vermittelt. Um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Themen Umwelt, Energiegewinnung, Energieeinsparung und Klimaschutz zu sensibilisieren wurde dabei auch die Umweltpädagogik als wichtiges Thema vorgestellt.
In den letzten beiden Wochen betreuten dann die Staatliche Berufsschule I Kempten sowie die Johann-Bierwirth-Schule Memmingen 7 bzw. 8 chinesische Lehrkräfte. Diese hatten dort die Möglichkeit, unterstützt von den bayerischen Kolleginnen und Kollegen, im Unterricht zu hospitieren und selbstständig Unterrichtssequenzen zu erarbeiten, die sie dann im Anschluss mit der Unterstützung eines Dolmetschers in den Klassen umsetzten und unterrichten durften. Begleitet wurden die Hospitationen und Unterrichtsversuche durch zielgerichtete Vor- und Nachbesprechungen. Den Teilnehmern sollten unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie eine Zielvorgabe im Lehrplan konkret in einen schülerzentrierten und handlungsorientierten Unterricht umgesetzt wird und dabei die Vorkenntnisse der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden, um daran anknüpfend die berufliche Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler gezielt zu erweitern.
Zum Ende der 8 Wochen in Deutschland traf sich die gesamte Gruppe dann wieder in Kempten und konnte im Rahmen einer Abschlussfeier auf der Gundalpe in Oberjoch ihre Teilnehmerzertifikate entgegennehmen.

Mit diesem nun erworbenen Rüstzeug sollen die chinesischen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer befähigt werden, selbständig Unterricht zu planen und vor Ort in China mit ihren Schülern durchzuführen. Ein guter Unterricht muss immer einerseits auf die Ziele im Lehrplan und andererseits auf die Schülerinnen und Schüler als Adressaten abgestimmt sein. Eine Beurteilung des Erfolges der bisher durchgeführten Fortbildung kann deshalb nur vor Ort in China mit den Schülerinnen und Schülern erfolgen, mit denen die chinesischen Lehrerinnen und Lehrer täglich konfrontiert sind. Deshalb wird die Evaluationsphase Projektes im Sommer 2020 wiederum in China durchgeführt. Dabei werden die chinesischen Kolleginnen und Kollegen von bayerischen Lehrern im Unterricht besucht, um ihnen ein Feedback über ihre Fortschritte und gewonnenen Kompetenzen im handlungsorientierten und schülerzentrierten Unterricht zu geben.

Mitnichten soll das CLiB-Modell nur dem Wissenserwerb und der Kompetenzsteigerung der beteiligten chinesischen Lehrkräfte dienen, sondern diese Fortbildung soll auch dazu beitragen, dass die Partnerschaft zwischen Shenzhen und Bayern weiter vertieft wird.